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Hansestadt Demmin gedachte der Opfer der Reichspogromnacht am 09. November 1938

Demmin, den 12.11.2019

Am Samstag, dem 09. November, wurde auch in diesem Jahr wieder der jüdischen Opfer der Reichspogromnacht traditionell auf dem jüdischen Friedhof in der Bergstraße gedacht.

Neben den Gebinden legten die Teilnehmer kleine Kieselsteine auf die Grabsteine der Verstorbenen, wie es auf jüdischen Friedhöfen üblich ist.

 

Teilnehmer der Gedenkveranstaltung waren u.a. der Bürgermeister der Hansestadt Demmin, Herr Dr. Michael Koch, die Präsidentin der Stadtvertretung,

Frau Christiane Sack, Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter,

Herr Pastor Norbert Raasch, der 2. Stellvertreter des Landrates des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Herr Thomas Müller sowie der Bürgermeister a.D., Herr Ernst Wellmer als Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V..

 

Die deutschen Juden wurden schon seit der Reichstagswahl 1933 diskriminiert und aus dem öffentlichen Dienst ausgeschlossen. Seit dem Judenboykott ab dem

01. April 1933 mussten viele jüdische Freiberufler ihren Beruf aufgeben.

Allein mit dieser Aktion wurden schon 1933 etwa 37.000 Juden aus Deutschland vertrieben.

Weitere Hetzkampagnen schlossen sich in den Folgejahren an: 1935 die Nürnberger Gesetze über die „Rassentrennung“, 1937 das 25-Punkte-Programm der NSDAP zur „Entjudung Deutschlands“ und die Einführung von „Kennkarten“ für Juden seit dem 23. Juli 1938.

Die Novemberpogrome 1938 steigerten den staatlichen Antisemitismus zur Existenzbedrohung für die Juden im ganzen Deutschen Reich.

Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in den Holocaust an den europäischen Juden im Machtbereich der Nationalsozialisten mündete.

Herr Dr. Koch führe in seiner Rede aus, dass auch in unserer Stadt in der Nacht vom 09. zum 10. November 1938 der jüdische Friedhof geschändet wurde. Grabsteine wurden umgeworfen und zerstört. Das Kurzwarengeschäft der Demminerin Rosa Lewinsky in der Luisenstraße wurde geschlossen. Die Lebensbedingungen der drei älteren Damen jüdischen Glaubens verschlechterten sich zusehends.

Ida Davidsohn starb 1940. Rosa Lewinsky und Margarete Davidsohn wurden nach der „Wannseekonferenz“ am 20.01.1942 mit einem Sammeltransport nach Stettin gebracht.

 

Herr Dr. Koch betonte, dass der 09. November nicht nur ein Tag des Rückblicks auf Gewalt und Zerstörung gegen ein ganzes Volk ist. Er ist der Tag des Antirassismus. Die Erinnerung darf nie enden, sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.

 

 

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Hansestadt Demmin gedachte der Opfer der Reichspogromnacht (12.11.2019)