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Hansestadt Demmin gedachte der Opfer des Nationalsozialismus

Demmin, den 29.01.2020

Am Montag, dem 27. Januar, wurde wieder traditionell der „Tag des Gedenkens“ im Gemeindesaal der Pfarrkirche „Maria Rosenkranzkönigin“ durch eine Gedenkveranstaltung mit anschließender Kranzniederlegung auf dem

Ernst-Barlach-Platz würdig begangen.

Vor genau 75 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch Soldaten der 322. Infanteriedivision der I. Ukrainischen Front befreit.

 

Teilnehmer der Gedenkveranstaltung waren u.a. der Bürgermeister der Hansestadt Demmin, Herr Dr. Michael Koch, die stellvertretende Präsidentin der Stadtvertretung, Frau Kathrin Giebener-Trost, Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter, Herr Pfarrvikar Grzegorz Mazur von der katholischen Gemeinde, der Landtagsabgeordnete, Franz-Robert Liskow, der 2. Stellvertreter des Landrates des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Herr Thomas Müller, der Bürgermeister a.D., Herr Ernst Wellmer, als Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., sowie Einwohner der Hansestadt Demmin.

 

Für eine würdige musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgte am Klavier die Kirchenmusikerin, Frau Annerose Vogt.

 

Die Teilnehmer gedachten der Opfer von Rassenwahn und einer menschenverachten Ideologie, die willkürlich Menschen jedes Existenzrecht abspricht.

 

Mit der am 28. Februar 1933 erlassenen „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ schufen die Nationalsozialisten eine erste formal-juristische Handhabe zur rücksichtslosen Verfolgung ihrer Gegner. Die Verabschiedung dieser Verordnung erfolgte an dem Tag nach der in der Nacht erfolgten Inbrandsetzung des Reichstages, weshalb sie auch als Reichstagsbrandverordnung bezeichnet wurde. Seit März 1933 wurden „staatliche Konzentrationslager“ errichtet, in denen Gefangene misshandelt und häufig ermordet wurden. Jeder potentielle Gegner musste damit rechnen, in „Schutzhaft“ genommen zu werden, was zum Synonym für staatlichen NS-Terror wurde.

Immer mehr und neue Opfer wurden in den Terror einbezogen: Waren es am Anfang Kommunisten, Sozialdemokraten und Juden, so folgten bald Mitglieder religiöser Sekten und Orden, Pfarrer beider Konfessionen, die sogenannten Zigeuner, Homosexuelle und nach dem Kriegsbeginn auch Kriegsgefangene. Auch zahllose, sogenannte „Asoziale“ wurden inhaftiert.

In seiner Rede verwies der Bürgermeister darauf, dass es auch in unserer Stadt solch ein Lager in der Woldeforst gab. In der Bevölkerung wurde von einem „Russenlager“ gesprochen, die Gefangenen mussten sogenannte „Arbeitsdienste“ in der Muna „Woldeforst“ verrichten. Erst nach 1990 wurde offen über einen damals angelegten Friedhof für Kriegsgefangene gesprochen. Aus den anfänglich 20 sind inzwischen über 125 namentlich bekannte Kriegsopfer geworden.

 

Mit Unterstützung des Landesamtes für Innere Verwaltung Mecklenburg-Vorpommern und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie des „Demminer Regionalmuseums“ und Zeitzeugen wurde unter Einbeziehung der russischen Botschaften, zwischenzeitlich in der Woldeforst eine würdige Gedenkstätte errichtet. Das Waldstück, in welchem die Kriegsopfer begraben wurden, wurde in ein Gräberfeld umgewidmet. Hier ist nun die letzte Ruhe für die Kriegsopfer auf Dauer sichergestellt.

Am 17. Mai 2018 wurde diese Kriegsgräberstätte würdig eingeweiht.

 

Zum Abschluss seiner Rede betonte der Bürgermeister ausdrücklich, dass das  Gedenken an die Opfer nicht nur Trauer und Scham bedeuten, sondern auch eine Mahnung einschließt. Wir sind aufgefordert, wach zu sein, um schon den kleinsten Verstößen gegen die Menschenrechte, der geringfügigsten Verletzung von Menschenwürde, entgegenzutreten.

Jeder Mensch ist wertvoll, lautet die Schlussfolgerung, jeder hat ein Recht auf Leben und auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.

 

Er dankte allen, die an dieser Gedenkveranstaltung teilgenommen haben.

 

Im Anschluss an die Veranstaltung im Gemeindesaal legten die Vertreter der Stadt, des Landkreises, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der demokratischen Parteien Blumengebinde am Gedenkstein für die Opfer von Krieg und Gewalt auf dem Ernst-Barlach-Platz nieder und verharrten in einer Schweigeminute.

 

Bereits im Vorfeld der Gedenkveranstaltung legte der Bürgermeister auf der Kriegsgräberstätte in der Woldeforst ein Kranzgebinde im Namen der Hansestadt Demmin nieder.

 

 

Fotoserien zu der Meldung


Gedenkveranstaltung 27.01.2020 (29.01.2020)