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VOLKSBUND 2015

Demmin, den 19.11.2015

Demminer Ortsverband des VOLKSBUNDES beriet Aufgaben für 2016, das 25. Jahr seines Bestehens

 

Zu einer Mitgliederversammlung traf sich der Demminer Ortsverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge am 19. November im Rathaus der Hansestadt. In seinem Jahresrückblick konnte Altbürgermeister Ernst Wellmer auf vielfältige Aktivitäten verweisen. So fand bereits das 13. Benefizkonzert mit dem Landespolizeiorchester statt, das einen Spendenbeitrag von 2.322 Euro erbrachte. Dieses und das hervorragende Ergebnis der letzten Haus- und Straßensammlung in Höhe von fast 900,00 Euro wurden während eines Empfangs am 8. Mai im Schweriner Schloss von Landesgeschäftsführer Karsten Richter sehr hervorgehoben und mit der Medaille "Friedenspark" gewürdigt. Die diesjährige Sammlung ist noch nicht beendet, lässt aber auch auf ein gutes Ergebnis hoffen. Der Ortsverband unterstützte außerdem die Fortführung der Sanierungsarbeiten auf dem 1945-er Gräberfeld. Nach dem Obelisken mit dem Kugelkreuz wird jetzt dessen Umfeld neu gestaltet.

Im 70. Jahr des Endes des Zweiten Weltkrieges gab es zahlreiche Gedenkveranstaltungen in der Stadt, die vom Volksbund organisiert wurden bzw. an welchen seine Vertreter aktiv teilnahmen. Dazu gehörten der Volkstrauertag, der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, die  Erinnerung an die Reichspogromnacht, die Gedenkveranstaltungen und ein Symposium  zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in Demmin, die Teilnahme an der Kranzniederlegung am 08. Mai und auch die Beteiligung am Festumzug der Hansestadt anlässlich des Stadtjubiläums. Hier sorgte die vorbeifahrende Nachbildung der Stele des     45-er Gräberfeldes für einen Augenblick der Ruhe und des Nachdenkens an dem ansonsten fröhlichen Tag. Die hölzerne Nachbildung steht seit kurzem in der St. Bartholomaei-Kirche.

Nach wie vor sind alle kommunalen Schulen und das Evangelische Schulzentrum, die Hansestadt selbst und die Stadtwerke GmbH korporative Mitglieder des Volksbundes.

Im Jugendzentrum der Stadt wurde mit besonderer Unterstützung der Volksbank ein Jugendprojekt verwirklicht. Schüler drehten im Gertraudenstift den Film "Die stille Stunde", in welchem Zeitzeugen das Ende des Zweiten Weltkrieges und den Neuanfang in Demmin beschrieben - ein sehr beeindruckendes Dokument der Zeitgeschichte. Er wurde während der Mitgliederversammlung gezeigt.

Die Mitglieder des Ortsverbandes unternahmen in diesem Jahr eine zweite Fahrt zu verschiedenen Kriegsgräberstätten. Auf dem Ausländergräberfeld in Demmin gedachten sie der hier ruhenden Fremdarbeiter aus Osteuropa und ihrer Angehörigen, die 1943 - 45 um´s Leben kamen. Außerdem besuchten sie die Kriegsgräber mit Opfern aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg in Vanselow sowie den Verchener Friedhof, wo eine Wiedererrichtung der Kriegsgräberstätte angezeigt wäre.

Wichtiges aktuelles Thema ist die zukünftige Kriegsgräberstätte in der Woldeforst. Im Regionalverbandsvorstand wurde mit Beteiligung der Demminer Mitglieder eine Stellungnahme zu einem entsprechenden Entwurf  aus Kassel erarbeitet und Empfehlungen zur Umsetzung gegeben. Ziel ist es, diese neue Gedenkstätte im kommenden Jahr  einzurichten.

 

Dem Demminer Ortsverband gehören derzeit 28 Mitglieder an. Er besteht 2016 bereits        25 Jahre. Dieses Jubiläum wird neben dem wichtigen Thema "100 Jahre Erster Weltkrieg" in der Arbeit Berücksichtigung finden. Die Zusammenarbeit mit den Schulen soll forciert werden; Gedenkveranstaltungen, die Haus- und Straßensammlung und das 14. Benefizkonzert -es befindet sich derzeit in Vorbereitung-  sind ebenso selbstverständlich, wie die weitere Erfassung der Kriegsgräber. Ein Flyer zu den Kriegsgräberstätten der Hansestadt mit Fotos und kurzen Erläuterungen soll fertig gestellt, die Finanzierung geprüft und der Druck in Auftrag gegeben werden. Auch eine weitere gemeinsame Fahrt zu Kriegsgräber- bzw. Gedenkstätten ist geplant.

 

In der umfangreichen Diskussion ging es u.a. um das neue Leitbild des VOLKSBUNDES und die Aktualisierung der Organisations- und Geschäftsordnung des Landesverbandes, die derzeit in allen Gliederungen diskutiert wird. Kriegsgräberfürsorge wird heute als Teil einer Gedenkkultur verstanden, die alle Toten von Krieg und Gewaltherrschaft erfasst. Insbesondere für die Jugend sollen Workcamps, Begegnungs- und Bildungsstätten sowie vielfältige Projekte im In- und Ausland Raum für die Auseinandersetzung mit historischen und aktuellen Ereignissen schaffen. Der Wert von Menschenrechten, Demokratie, Versöhnung  und Frieden unter den Menschen und Völkern soll vermittelt werden. Kriegsgräberstätten im In- und Ausland werden als Orte des Lernens, des öffentlichen Gedenkens, der Erinnerung und der Begegnung gestaltet. Der Ortsverband unterstützt               diese Aussagen.

 

Kreisgeschäftsführer Günter Behnke, Hartmut Mandelkow und Karsten Behrens gaben aktuelle Erkenntnisse zu den Kriegsgräbern in der Woldeforst bekannt. Mit den derzeit bekannten 126 Kriegsopfern (es werden weitaus mehr erwartet) wird 70 Jahre nach dem Kriegsende in Demmin die größte derzeit neu zu errichtende Kriegsgräberstätte Mecklenburg-Vorpommerns entstehen. Die Zahl der Kriegstoten in der Stadt beläuft sich damit aktuell auf  insgesamt 2.102  in Massen- bzw. Einzelgräbern.

In der Woldeforst handelt es sich ausschließlich um Einzelgräber. Russische, französische und belgische Kriegsgefangene liegen hier; auch Kriegsopfer aus anderen Nationen sind nicht ausgeschlossen.

Ein aktuell aufgefundenes Dokument deutet darauf hin, dass für gestorbene Insassen des dortigen Strafgefangenenlagers der nächste erreichbare Friedhof "zuständig" war. Da die Woldeforst 1941 im Kreis Grimmen lag, wurde -wie belegt- z.B. ein sowjetischer Kriegsgefangener in Wotenick beigesetzt. Er wird nicht der einzige gewesen sein.

 

Im Zusammenhang mit der Übergabe der Nachbildung der Stele des 45-er Gräberfeldes an die Kirchgemeinde ist die Erarbeitung einer Informationstafel, welche auf die Geschichte der Originalstele und ihrer Nachbildung hinweist, vorgesehen. In dem Zusammenhang bat

Volksbund-Ortsverbandsvorsitzender Ernst Wellmer um Informationen über deren Entstehung. Hartmut Mandelkow, der seit Jahren im Demminer Kirchenarchiv intensiv arbeitet, wurde kurzfristig zumindest teilweise "fündig". So fand er einen Zeitungsartikel, der über die Einweihung der Sandsteinstele  mit Kugelkreuz  -wie auch anderer Gedenkstätten-  durch Superintendent Dr. Herbert Achterberg  auf dem Waldfriedhof in der Jarmener Straße   berichtet. "Die in verschiedenen Quartieren des Friedhofs befindlichen Gräber (von  Kriegsopfern) werden seit 1946 einheitlich von der Kirche unter nicht unerheblichen Aufwendungen gepflegt. Im Laufe des Jahres 1952 war es endlich möglich, den sehr schönen Gräberfeldern auch würdige Denkmäler zu geben. Es wurden neun alte Stelen aus Findlingsgranit von Friedhöfen des Kirchenkreises Demmin, ein großes Denkmal aus Sandstein, drei große Kreuze aus Beuchaer Granit und 76 Tafeln aus alten Sandsteinstelen aufgestellt. Am Totensonntag 1952 wurden diese Gräberfelder und ihre Gedenksteine als Mahn- und Trostmale in einer großen, einmaligen Feier durch den Superintendenten von Demmin, Dr. Achterberg, vor einer fast unübersehbaren Gemeinde eingeweiht."  Gefunden wurden außerdem auf Packpapier oder Karton geschriebene Notizen über Rücksprachen  Dr. Achterbergs mit Lothar Dieme, dem damaligen Leiter des Heimatmuseums. Vorbild für die Stele war demnach das Grundgerüst des ehemaligen Kolonialbrunnens auf dem Marktplatz. "Nach unserem Gespräch sah ich heute auf dem Markt die dort über dem Brunnen errichtete Holzsäule, die ähnlich meinem Vorschlag eine Weltkugel (hier von Friedenstaube gekrönt) aus 2 Reifen geschmiedet trägt. Wir könnten hier Maß und Wirkung studieren. Grundsätzlich möchte ich diesem hohen Mal sehr wohl zustimmen.  L.D."  Aus einem weiteren Schriftstück  an einen "Meister Uecker" geht hervor, dass es mehrere Entwürfe für die Stele gegeben haben muss. Nicht bekannt ist bisher, wer die Stele bearbeitet und aufgestellt hat. "Der Stein ist schon in Arbeit und sollte nächste Woche ... aufgerichtet werden", heißt es in dem Schreiben vom 19.09.1952. Und der Beitrag aus der Kirchenzeitung vom 22.03.1953 informiert: "Auf dem oberen Sockel steht auf allen vier Seiten erhaben die Jahreszahl 1945. Der Stein ist gekrönt mit dem Kreuz auf der Weltkugel, aus Schmiedeeisen durch einen einheimischen Meister gearbeitet." Entwurfsskizzen für die Stele und auch für das Grabmal mit den drei Granitkreuzen wurden  ebenfalls bereits gefunden.

 

Thematisiert wurde auch das Vorhaben des Garnisonsvereins, die erhaltenen Teile des sogenannten "Kriegerdenkmals", geschaffen für die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallenen Demminer,  auf der Fläche vor der früheren Ostkaserne  zunächst zu lagern und teilweise später wieder aufzustellen. Das Denkmal wurde nach der politischen Wende 1990 im Zusammenhang mit dem geplanten Bau der "Bruhn´schen Hauser"  im Devener Holz auf der dortigen Deponie gefunden und auf dem städtischen Lagerplatz bis heute aufbewahrt. Nach Auskunft von Karsten Behrens soll eine Informationstafel Auskunft zu seiner Geschichte geben. Mit Interesse wurde auch der Nordkurier-Beitrag "Braucht Demmin Kriegerdenkmale?" zur Kenntnis genommen. Seitens der Volksbund-Mitglieder wird das Vorhaben deutlich befürwortet. Man könne nur aus der Vergangenheit lernen, wenn man sie auch kennt. "Versöhnung über den Gräbern - Arbeit für den Frieden", dieses Motto des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gilt auch für Gedenkstätten, wie die geplante. Der Volksbund will den generationsübergreifenden Dialog und Versöhnung zwischen Menschen aus ehemals verfeindeten Ländern ermöglichen. "Damit tragen wir zu Integration und Frieden bei" heißt es dazu im Entwurf des neuen Leitbildes, das der Demminer Ortsverband unterstützt.

 

Abschließend konnte Regionalverbandsvorsitzender Dr. Michael Koch den Kreisverband des SoVD für die langjährige aktive Unterstützung der Arbeit des Volksbundes, u.a. bei der Haus- und Straßensammlung, auszeichnen. Der Bürgermeister  überreichte der Vorsitzenden, Evelin Jörke, eine Ehrenurkunde, unterzeichnet vom Landesvorsitzenden und Innenminister Lorenz Caffier, sowie einen Bildband.

 

 

Fotoserien zu der Meldung


VOLKSBUND 2015 (19.11.2015)