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Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Demmin, den 27.11.2017

Arbeiten für die zukünftige Kriegsgräberstätte in der Woldeforst haben begonnen

- Erster Spatenstich mit vielen interessierten Teilnehmern -

 

Trotz Kälte und Regens versammelten sich anlässlich des Ersten Spatenstichs für die Errichtung einer neuen Kriegsgräberstätte in der Demminer Woldeforst am 27. November 2017 zahlreiche Demminer und weit angereiste Gäste. Bürgermeister Dr. Michael Koch konnte u.a. neben der Präsidentin der Stadtvertretung, Christiane Sack, sowie Vertretern der Stadtfraktionen auch den Landesgeschäftsführer des Volksbundes, Karsten Richter, drei Vertreter des Landesamtes für Innere Verwaltung mit dem Dezernenten Wolf-Rüdiger Müller sowie Altbürgermeister Ernst Wellmer begrüßen. In seinen Ausführungen informierte der Bürgermeister darüber, dass derzeit eine "vorläufige Totenliste Demmin-Woldeforst" vorliege, die 125 sowjetische Kriegsgefangene aufzählt, "darunter 116 Soldaten, sieben Unteroffiziere, ein Leutnant und ein Zivilist. Mehr als die Hälfte, 77 von ihnen, starben im Dezember 1941, 31 im Januar 1942 und sieben jeweils in den folgenden drei Monaten." Der Einsatz der Kriegstoten begann vermutlich am 1. Dezember 1941.

Unter der Leitung des Demminer Regionalverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge fand am 23. Oktober 2014 gemeinsam mit allen Verantwortungsträgern eine erste Vorortbesichtigung zusammen mit Zeitzeugen aus Rostock und Grimmen statt. "Zukünftig ist damit zu rechnen, dass weitere Opfer -auch anderer Nationalitäten-, deren Namen noch unbekannt sind, hinzukommen. Die festgestellte Kriegsgräberstätte ist schon vor vielen Jahrzehnten aufgeforstet worden. Aus diesem Grunde wurde von den Vertretern des Innenministeriums eine Bergung der Toten und Niederlegung in ein Sammelgrab ausgeschlossen. Nunmehr soll dieser Gedenkplatz errichtet werden," so Dr. Michael Koch.

Gemeinsam mit Karsten Richter, Ernst Wellmer und Wolf-Rüdiger Müller vollzog der Bürgermeister sodann den Ersten Spatenstich für die Anlage.

Dr. Petra Clemens vom Demminer Museumsverein verlas anschließend den Brief der Enkeltochter eines der Kriegsgefangenen, die hier bestattet wurden. Über das Rote Kreuz der Ukraine hatte sie erfahren, dass der Vater ihrer Mutter, Mazhurow Michail Stepanowitsch, der bereits in den ersten Tages des Krieges zur Front einberufen wurde, bei Wjasma in die Gefangenschaft geriet und 1942 in Deutschland ums Leben kam. Dankbar nahm die Familie zur Kenntnis, dass nun bei Demmin eine Gedenkstätte errichtet wird. "Wir wissen jetzt Bescheid, wo unser Vater und Großvater beigesetzt ist. ... Trotz der großen Verspätung hat jetzt meine Mutter von den letzten Tagen ihres 30-jährigen Vaters erfahren. Vielen Dank." Zur Einweihung der Gedenkstätte soll eine Einladung an die Familie ergehen. Die Reise werde vom Volksbund finanziell unterstützt, informierte Karsten Richter. Der Landesgeschäftsführer würdigte während der sich anschließenden Zusammenkunft im Festsaal des Rathauses das engagierte Wirken in Demmin. Steffen Teetz erläuterte dort auch anhand von Skizzen das Bauvorhaben. Die Gedenkstätte soll in Form eines Dreiecks entstehen und durch einen Erdwall umsäumt werden. Auf einem Findling im Zentrum der Anlage wird die Inschrift zu lesen sein: "Gedenket der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft 1939 - 1945". Die Namen der bekannten 125 Kriegstoten mit Geburts- und Sterbedatum werden aufgelistet und können -so möglich- später weiter ergänzt werden. Die Schrifttafeln werden darum nicht aus Naturstein oder Granit, sondern in einer Kombination mit Cortenstahl als Basistafel und einer aufmontieren Tafel aus transparentem, bruchsicherem Polycarbonat gefertigt werden. Diese Schrifttafeln werden auf Betonsockel montiert und links und rechts neben dem Gedenkstein angeordnet.

Den Auftrag zur Errichtung der Kriegsgräberstätte hat die Darguner Baufirma MV-Service Muchaier erhalten. Die Kosten belaufen sich auf ca. 40.000 Euro, die das Landesamt bereitstellt.

Ein "Erster Spatenstich" sei in der Regel ein erfreuliches Ereignis, so abschließend Volksbund-Ortsverbandsvorsitzender Ernst Wellmer. "Der soeben vollzogene in der Woldeforst ist aber die Folge von Krieg und Gewaltherrschaft. Wir sind bis heute in unserer Stadt bemüht, die Folgen des von Hitlerdeutschland entfachten Zweiten Weltkrieges aufzuarbeiten. Und wir sind -trotz vielfältiger Anstrengungen und Aktivitäten- auch 72 Jahre nach seinem Ende immer noch nicht am ´Ziel´. Den Toten zum Gedenken und den Lebenden zur Mahnung errichten wir eine weitere, die siebente anerkannte Kriegsgräberstätte in unserer Heimatstadt. 2.081 Kriegstote sind hier in Einzel- oder Sammelgräbern bestattet. Hinzu kommt das ehemalige Kindergräberfeld mit ca. 260 Toten. Eine würdige Grabstätte - eine Stätte des Gedenkens - sollen nun auch die in der Heeresmunitionsanstalt der Wehrmacht ums Leben gekommenen, insbesondere sowjetischen Kriegsgefangenen erhalten. Ich bin sehr dankbar, dass es dafür die erforderliche, sehr enge und hilfreiche Zusammenarbeit gab zwischen dem Landesamt für Innere Verwaltung, dem Landkreis MSE, der Hansestadt und dem Volksbund sowie dem Museumsverein und Demminer Geschichtsexperten. Dass durch diese Maßnahme nun auch die heute 81-jährige Tochter und weitere Angehörige eines aus der Ukraine stammenden Sowjetsoldaten, der als 30-jähriger hier in der Woldeforst unter menschenunwürdigen Bedingungen sein Leben verlor, wissen, wo sie ihn finden und seiner gedenken können, trägt dazu bei, Versöhnung über den Gräbern zu praktizieren. Die Errichtung der neuen Kriegsgräberstätte und die geplante weitere geschichtliche Aufarbeitung des Themas "Heeres-Hauptmunitionsanstalt Woldeforst 1939-1945" sind auch Zeugnisse des bereits fast 100-jährigen Wirkens des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dessen Leitmotiv die Arbeit für den Frieden, für Völkerverständigung und Aussöhnung ist. Lassen Sie uns auch weiterhin gemeinsam dafür wirken."

 

 

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Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (27.11.2017)